The Horse will make you happy!

Überlegungen zum workshop „Exploring Performance Art“

I.                Einleitung

Die nachfolgenden Ausführungen konzentrieren sich auf meine Lehre der Praxis von Performance Art. Sie setzen Kenntnisse über den Inhalt, die Geschichte sowie den kunsttheoretische Diskurs von Performance Art voraus. Es ist im Wesentlichen die gleiche Zielgruppe, an die sich auch mein Workshop Angebot „Exploring Performance Art“[1] richtet.

Das Material und die Art der künstlerischen Auseinandersetzung in der Praxis der Performance Art ist derart persönlich geprägt, dass ein verallgemeinernder Zugang immer bruchstückhaft ist und daher als solcher gekennzeichnet sein muss. Das heißt in der Konsequenz, dass die Praxis Performance Art im traditionellen Sinne nicht gelehrt werden kann! Man kann die Geschichte, den kunstgeschichtlichen Zusammenhang oder auch die kunsttheoretische Auseinandersetzung lehren. Den Kern der Performance Art, dort, wo aus der Form Kunst wird, kann nicht gelehrt werden. Das mag für alle Kunstgattungen gelten, allerdings sind bei der Performance Art sowohl das Material wie auch das Medium der künstlerischen Auseinandersetzung in einem besonderen Maße mit der Person des Künstlers identisch.

Zbigniew Warpechowski hat es einmal so ausgedrückt: „Mit jeder Performance definiere ich Performance Art neu!“. Oder, wie es in seinem Text zu seiner Performance im Rahmen der „Polish Roots“ bei den new territories in Glasgow 2011 heißt: „I am 72 years old and for 43 years I travel the performance art road.(…)I intend to forget my past activities, I am trying to start from “0”.”

Was ein Workshop allerdings leisten kann ist, eine Situation zu schaffen, innerhalb der persönliche Erfahrungen gemacht werden können, die für die Arbeit in der Performance Art nutzbar sind. Es geht also weniger darum, im herkömmlichen Sinne zu lehren und zu lernen, sondern vorhandenes verfügbar zu machen, den Zugang der Teilnehmer zu den inneren Bildern, in das eigene ästhetische Gespür zu entwickeln. Diese Herangehensweise setzt damit auch einen Zugang zur Performance Art, bei dem es nicht so sehr darum geht, etwas auszudrücken oder zu vermitteln, sondern er beschreibt Performance Art als einen Prozess des Findens. Das performative Bild wird nicht geplant und dann als Performance ausgeführt, sondern es wird innerhalb eines definierten settings möglicherweise gefunden.

II.               Über die Definition von Performance Art

Sowenig wie sich Performance Art in dem vorstehenden Sinne lehren lässt, so wenig Sinn macht eine Definition von Performance Art. Hier halte ich es mit Hans-Thies Lehmann, der in seinem Buch „Postdramatisches Theater“ folgende Erklärung abgegeben hat: „Performance ist das, was von denen, die sie zeigen, als solche angekündigt wird.“[2]

Im Falle eines Workshops ist es jedoch notwendig, das daraus resultierende Spektrum dessen, was als Performance Art gelten kann, zu begrenzen. Erst eine verbindliche Sprachregelung ermöglicht die Konzentration auf die praktische Arbeit. Daher lege ich meinen workshops das folgende Verständnis von Performance-Kunst zugrunde:

1.     Performance Art ist eine Gattung der Bildenden Kunst. Diese Setzung hat einen Einfluss vor allem auf das bildnerische Selbstverständnis des Künstlers und damit auf die erwartete Rezeptionshaltung der Zuschauer.

2.     Performance Art ist prozessuale Kunst. Das performative Bild entwickelt sich während der Aktion, wird in Folge der Auseinandersetzung mit dem Material und der Aufführungssituation gefunden.

3.     Performance Art ist nicht narrativ oder expressiv – d.h. im Vordergrund stehen keine Geschichten oder Botschaften. Performance Art verweist auf sich selbst, auf die selbstreferentielle Ästhetik des Materials. In diesem Sinne ist die Person des Künstlers dar erste und wichtigste Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung.

4.     Die Qualität der eingebrachten Gegenstände oder des Materials der künstlerischen Konzentration misst sich an seinem Potential zur Veränderung und Entwicklung der Person. Es ist dem zu Folge nicht die Frage, was der Künstler mit dem Material anstellt sondern wie das Material auf den Künstler zurück wirkt!

5.     Die Hoffnung ist, dass die Performance ein Ereignis hervorbringt als Folge eines realen Erlebens in der Situation der Aufführung.

Wichtig in dem Zusammenhang ist jedoch, dass den Teilnehmern klar gemacht wird, dass diese Definition nur ein kleines Spektrum von Performance Art abdeckt

III.            Methodische Ansätze

Im Folgenden möchte ich einige methodische Ansätze und grundlegende Ideen meiner Arbeit vorstellen.

1.     Sprechen über Performance Art

Das performative Bild ist einer sprachlichen Beschreibung nur mittelbar zugänglich. Das liegt nicht nur an der meist internationalen Zusammensetzung der Teilnehmergruppe oder an der grundsätzlichen Differenz von Zeichen und Bezeichnetem. Es liegt vor allem daran, dass der Diskurs eines rein auf die Performance Art bezogener Bildbegriffes nur partiell geführt wird. Die Idee, was denn die Qualität eines performativen Bildes ausmacht, ist bei den Teilnehmern zumeist aus sehr unterschiedlichen, zueinander inkompatiblen Quellen (Theater, Bildende Kunst, Poesie, Tanz, usw. ) genährt, so dass zu Beginn eines Workshops erst einmal eine intensive Begriffsklärung von Nöten wäre, was im Normalfalle den zeitlichen Rahmen sprengt.

Ich beginne meine Workshops daher immer mit praktischen Übungen, damit sich die anschließende Reflexion der Teilnehmer auf etwas bezieht, das von allen erlebt wurde, also auf eine gemeinsame konkrete Erfahrung!

Der Workshop ist damit zugleich auch ein Sprachfindungsprozess, in dessen Verlauf die Begriffe und deren Kategorisierung erarbeitet werden müssen.

Parallel zu dieser Sprachfindung geschieht ein Nachdenken über das Sehen, also darüber, wie auf Performance Art geschaut werden kann! Hier geht es um das Bewusstwerden und das Verfügbarmachen der unterschiedlichen Kanäle von Wahrnehmung: Sehen, Hören, Tasten, Riechen im Zusammenhang mit der darauf bezogenen Reaktion von Gefallen, Ablehnung, Gleichgültigkeit sowie dem Bewusstwerden von Relationen (zwischen Zuschauer und Akteur. Akteur und Objekt, etc.).

Dem Feedback, sei es zu den Übungen zu den Performance der Teilnehmer kommt dabei eine herausragende Rolle zu. Folgende Überlegungen biete ich hierbei meinen Teilnehmern an.

·        Derjenige, der Feedback gibt, kann ausschließlich nur über seine Eindrücke sprechen, also spricht er nur über sich selbst: über seine Erfahrung, über das was er mag oder nicht mag, über das was er gerne sehen möchte. Insofern kann derjenige, dessen Aktion das Feedback gilt, daraus nur entnehmen, ob er seine Aktion das hervorrufen sollte, was er da hört, oder ob das Gehörte ihn zu einer Änderung des settings inspiriert.

·        Interessant kann die Differenz sein, zwischen dem, was man glaubt, das man sehen sollte und dem, was man glaubt, was man gesehen hat!

·        Interessant kann sein welche Sensationen ausgelöst wurden: Angenehme Gefühle, Ablehnung, Gleichgültigkeit oder aber auch der Wunsch, etwas Bestimmtes von dem Akteur sehen zu wollen!

·        Zentral für mein Angebot der Entwicklung eines Feedbacks ist die Frage nach dem nächsten Schritt: Was ist, nach dem Verständnis der Zuschauer und des Akteurs, der nächste Schritt, der das Gesehene intensiviert und die als Kern der Performance wahrgenommene Richtung zu entwickeln hilft?

2.     Tools

Wie lässt sich eine Idee oder ein philosophischer Grundgedanke so beschreiben, dass er als Aufgabe oder physische Handlung umsetz- und damit auch erfahrbar wird? Diese Frage ist für mich nicht nur interessant im Zusammenhang meiner Betätigung als Workshopleiter sondern mindestens genauso interessant als Künstler. Im Zentrum meines Interesses für Performance Art steht die Person des Künstlers. An ihm und durch ihn entwickelt sich das performative Bild. Somit sind die Fragen und Techniken bezüglich der Präsenz des Künstlers sowie seines Umgangs mit der Situation der Performance grundlegend für mein Nachdenken über diese Kunstgattung. Die Frage, die mich beschäftigt, ist also nicht so sehr das was sondern das wie der Performance.

„Tools“ helfen, die Konzentration des Performers auf die aktuelle Situation der Performance zu lenken. Letztendlich sind sie gedankliche Ansätze, um Präsenz physisch arbeiten zu können.

„Tools“ können, zumindest von der Idee her, auch als „Aktionsideen“ während der Performance genutzt werden, um „in die Situation“ zu kommen.

3.     Übungen

Zu jedem „Tool“ gehört eine oder mehrere praktische Übungen, um den philosophischen Grundgedanken des Tools in die eigene Begriffswelt zu übersetzen. Es ist eine physische Erfahrung notwendig, um aus der anfänglich abstrakten Vorgabe eine persönlich verfügbare Idee zu gewinnen.

4.     Material

Wie es in Kapitel II der Definition von Performance Art heißt, misst sich die Qualität der eingebrachten Gegenstände oder des Materials der künstlerischen Konzentration „an seinem Potential zur Veränderung und Entwicklung der Person. Es ist dem zu Folge nicht die Frage, was der Künstler mit dem Material anstellt sondern wie das Material auf den Künstler zurück wirkt!“ Bei der Frage des Materials ist die grundsätzliche Idee des „Findens[3] konsequent angewendet. Jegliches Material, ob als Requisit eingebracht oder bereits vorhanden, ist Bestandteil der Performance Situation! Die Performance selbst ist, im bildhauerischen Sinne, eine Erforschung des Materials. So gesehen bezieht sich die Frage des Materials vor allem auf die Frage des settings! Welchen Eingriff nehme ich vor, um eine für das Gelingen der Performance günstige Situation zu definieren? Da sich mein Ansatz von Performance Art immer um das Erscheinen der Person dreht, ist vor allem das Material hilfreich, das die Person des Performers in der Aktion entwickelt.

5.     Präsenz

Eine der wenigen Übereinkünfte von Performance Art ist, dass sie zeit- und ortsspezifisch ist, d.h. das performative Bild soll sich immer auf die aktuelle Situation der Aktion beziehen, bzw. sich aus ihr heraus entwickeln. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach der „Präsenz“ des Performers zentral. In Bezug auf einen workshop muss somit die Frage gestellt werden, wie Präsenz gearbeitet werden kann. Präsenz in diesem Sinne ist eine „geglückte“ In-Beziehung-Setzung zur Situation der Performance – als Aktion im Hier und Jetzt.

IV.           Tools und Übungen im workshop „Exploring Performance Art“.

Um das Vorhergesagte zu verdeutlichen, beschreibe ich in dem folgenden Kapitel einige „Tools“ und Übungen in der chronologischen Anordnung des Workshops „Exploring Performance Art“.

1.     Tools zum Konzept von „Wahrnehmung“

Gemäß meines persönlichen Verständnisses lässt sich eine performative Situation u.a. durch die folgenden Begriffe beschreiben:

a.       Rhythmus

Jeder Raum hat einen eigenen Rhythmus, der sich beispielsweise mit den folgenden Eckwerten erfassen lässt: Schnell, langsam, regelmäßig, unregelmäßig, homogen, heterogen, stetig, sich verändernd. Die Objekte, Personen sind untereinander und mit dem Raum rhythmisch verknüpft oder entkoppelt.

b.       Impuls

Jeder Raum hat einen eigenen Impuls, der sich beispielsweise mit den folgenden Fragen erfassen lässt: Wie und auf welche Art beziehen sich die Objekte, Personen und der Raum zueinander? Wann beginnen Bewegungen, wann enden sie? Wie verhalten sie sich zum Rhythmus – parallel oder gegenläufig, gleichmäßig oder stotternd?

c.       Körpereindruck

Alles in dem Raum, Objekte, Personen und der Raum als Ganzes drückt sich physisch bei mir ein, hinterlässt Spuren auf meinem Körper. Es ist eine physische Übersetzung des Wortes „Körpereindruck“.

2.     „Pferdchen“ als Übungen zu den Tools über „Wahrnehmung“

Da es sich bei den oben beschriebenen Tools um meinen ganz persönlichen Zugang zu einer „Situation“ handelt, sollen die Teilnehmer durch physische Übungen eigene Übersetzungen und Zugänge finden.

Die Übung „Pferdchen“ umfasst mehrere Teile, die, aufeinander aufbauend, nacheinander ausgeführt werden. „Pferdchen“ setzt bei dem leicht nachvollziehbaren Bild an, wonach der Teilnehmer auf einem jungen, wilden Fohlen sitzt. Dieses Fohlen lässt sich nicht beherrschen oder lenken. Das einzige, was der Teilnehmer tun kann, ist, den Bewegungen des Fohlens zu folgen um nicht abgeworfen zu werden.

Nach und nach werden mehrere Bilder hinzugefügt: Der Rhythmus des Fohlens, sein Springen und Ausbrechen, wird in die Beine des Teilnehmers übertragen. Der Impuls, also Richtung und Richtungswechsel des Fohlens wird gedanklich  in das Becken des Teilnehmers verlagert. Der Eindruck, also das Forschen danach ob, wo und auf welche Art und Weise sich die anderen Personen, der Raum und dessen Gegenstände physisch auf der Haut eindrücken, wird als zusätzliche Aufgabe vorgegeben.

Durch diese Übung gibt der Teilnehmer, dem Bild des Fohlens folgend, die Kontrolle seiner Bewegung ab. Wohin, in welchem Rhythmus und in welcher Geschwindigkeit springt das Fohlen? Dabei ist ins besonders auf die Bewegungen der anderen Teilnehmer zu achten. Nach und nach entwickelt sich die Gruppe der Teilnehmer hin zu einem einzigen Organismus dessen einzelne Bestandteile sich bewegend zueinander in Beziehung setzen. Wann springt das Fohlen, wann kommt der nächste wilde Impuls? Wo sind die anderen? Was tun sie, wo und wie drücken sie sich bei mir ein? Habe ich die anderen Teilnehmer immer als Körpereindruck bei mir?

Durch die hohe physische Anforderung dieser Übung bleibt dem Teilnehmer keine Möglichkeit, seine Bewegungen zu planen. Er muss sich, seine eigenen Transformation beobachtend, dem Prozess der sich ständig verändernden Bewegungen und Eindrücke überlassen. Er setzt sich automatisch mit den anderen Teilnehmern und dem ihn umgebenden Raum in Beziehung und macht darüber reale Erfahrungen!

Diese Übung ist in mehrfacher Hinsicht äußerst effektiv:

·        Sie thematisiert die abstrakte Vorgabe von Präsenz, also das in Beziehung stehen zu der aktuellen Situation, auf physisch erfahrbare Weise.

·        Im Anschluss an die Übung kann ein zielführender Sprachfindungsprozess einsetzen, in dem zu einer gemeinsamen Erfahrung die passenden Ausdrücke gefunden werden!

·        Die Idee, dass das performative Bild in der Aktion gefunden werden muss, und nicht geplant werden kann, wird deutlich! Der Versuch, das Zusammenwirken in der gemeinsamen und dennoch multiplen Bewegung von Rhythmus, Impuls und Eindruck zu erkennen, lässt eine Ahnung davon entstehen, worin die Qualität eines performativen Bildes bestehen könnte.

·        Das Zusammenfallen von Übung und Performance wird deutlich! Dort, wo die Übung funktioniert, entsteht ein für alle wahrnehmbares performatives Bild von Raum und Bewegung.

·        Die physische Qualität des performativen Bildes wird erkennbar. Es kann nicht durch eine Botschaft oder eine Geschichte sondern nur durch eine physische Aktion entstehen.

·        Diese Übungen, sobald sie ein performatives Bild hervorgebracht haben, können als Aktion während einer Performance genutzt werden, um gezielt das sich Einlassen auf eine Situation zu arbeiten.

·        Performance Art wird als eine Kunst des „Eindrucks“ im Gegensatz zu der des „Ausdrucks“ erfahrbar!

3.     Tools zu Thema „Person“

Wie bereits beschrieben, steht im Zentrum meines Interesses für Performance Art die Person des Künstlers. Die Person verstehe ich als den sozialisierten Leib, in den sich die Erfahrungen und Lebensumstände des Menschen eingeprägt haben. Das Bild, das in der Performance entstehen kann, ist die Person in all ihren realisierten und nicht realisierten Manifestationen..

a.       Positive Desintegration

Das vorgegebene Bild ist, dass sich die Persönlichkeit in ihrem Selbstidentischsein entlang der Wirbelsäule aufrichtet. Eine wesentliche Bedeutung kommt dabei dem Punkt zwischen den Schulterblättern zu, ähnlich einer Marionette, die an diesem Punkt aufgehängt ist.

b.       Kleidung

Dieses Tool geht davon aus, dass der Kleidung in Bezug auf die Identität der Person eine besondere Bedeutung zukommt. Hierin manifestiert sich u.a. das Image, also das Bild das man von sich selbst haben und anderen von sich selbst auch vermitteln möchte.

4.     Übungen zu den Tools über „Person“

a.       Sich selbst entfliehen

Die Vorgabe hier ist, physisch zu versuchen, dem Punkt zwischen seinen Schulterblättern zu entfliehen. Selbstverständlich ist das unmöglich, die Übung entfaltet, ernsthaft ausgeführt, aber eine immense Wirkung. Diese Übung wird zunächst alleine und dann Rücken an Rücken, Seite an Seite, Bauch an Bauch und Gesicht an Gesicht mit anderen Teilnehmern durchgeführt.

·        Sie lässt den Teilnehmer erfahren, dass man physisch identisch ist mit sich selbst!

·        Sie lässt den Teilnehmer erfahren, dass man erst im physischen Kontakt mit jemandem anderen Rückmeldung über das physische Selbst erhält!

b.       Kleiderwechsel

Die Teilnehmer sollen möglichst oft und so extrem wie möglich ihre Kleider und Schuhe wechseln. Von möglichst ganz viel bis möglichst wenig, von weiblicher zu männlicher Kleidung und umgekehrt, von Stiefeln über Sandalen hin zu Stöckelschuhen. Die einzigen Einschränkungen sind: Es soll keine Trainingskleidung getragen werden und die Kleidung soll sich möglichst von dem unterscheiden, was man sonst trägt. Insgesamt geht es bei dieser Übung nicht um eine theatrale Kostümierung sondern der Teilnehmer soll Erfahrungen darüber machen, wie das Material „Kleidung“ auf die Person zurückwirkt!

5.     Tool und Übung zum Thema „Bewegen und bewegt werden“

Im Prinzip wurde diese Vorgabe schon in der Übung „Pferdchen“ verhandelt, allerdings nicht explizit. Da sie aber für das, diesem Ansatz zu Grunde liegende Verständnis von Performance Art wichtig ist, wird sie noch einmal separat gearbeitet.

Diese Idee setzt an der Auffassung an, dass sich die Aktion des Künstlers interagierend zur Situation der Performance entwickelt, d.h., einerseits bewegt der Performer die Situation, andererseits wird er von ihr bewegt. Diese Idee soll physisch erfahrbar werden.

Die dazugehörige „Übung“ kann als „Gewicht abgeben“ bezeichnet werden. Sie beginnt als Paarübung. Zwei Teilnehmer stellen, setzen oder legen sich ganz nah zueinander, legen beispielsweise den Arm über den Arm des anderen. Dann beginnen sie, jeweils das Gewicht abgebend, sich zu bewegen. Erst wird jeweils nur das Gewicht des Armes abgegeben, dann das Gewicht des Oberkörpers, des Kopfes usw. Diese Übung kann und soll dann auch von allen Teilnehmern zusammen ausgeführt werden. Die Teilnehmer bewegen sich, wie bei der Übung Pferdchen, als ein Organismus.

Diese Übung intensiviert das bereits bei den vorherigen Tools angesprochene Verständnis von Performance Art enorm und verschafft ihm eine weitere, physische Grundlage. Außerdem verhilft sie zu einer neuen Betrachtung der mitwirkenden Akteure im Falle einer Gruppenperformance. Die mit anwesende Person wird zum Material der eigenen Performance, die auch als solche in der Performance erforscht wird! Im direkten, physischen Kontakt mit ihr erfährt der Performer sich selbst in Bezug auf die Situation.

V.             Schlussbemerkung

Ich hoffe, dass ich den grundlegenden methodischen Ansatz meiner Lehre über Performance Art, die drei Schritte von der Vorgabe über die physische Umsetzung hin zur persönlich verwertbaren Idee des Teilnehmers einigermaßen deutlich machen konnte. Die sogenannten Übungen sind hierbei Schritte eines Prozesses, der selbst schon performativen Charakter hat. Anders ausgedrückt: Übungen sind meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn sie in ein performatives Bild münden, letztendlich selbst als Performance betrachtet werden können. Sowenig wie für die Performance das Bild der Improvisation passt, so wenig stimmt die Idee von Übung: Die Performance kann nicht geübt werden! Die Aktion „Übung“ ist immer schon die richtige, die zu entwickelnde Performance.

Ich habe auf die Nennung aller vorbereitenden Aktionen, die ich als Hinführung auf die Übungen zu den Tools verwende, verzichtet. Diese bestehen aus grundlegenden Ansätzen zur Atmung oder zur Körperkoordination wie sie beispielsweise aus der Lehre der Biodynamik nach Stanislawski bekannt sind.

Jürgen Fritz, Februar 2011


[2] Hans-Thies Lehmann, Postdramatisches Theater, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1999, S. 245

[3] Siehe auch „Einleitung“

The horse will make you happy!

Reflections on the workshop „Exploring Performance Art „

I.                 Introduction

The following statements focus on the teaching of practical Performance Art. They require knowledge of the content, history and the art-theoretical discourse of Performance  Art.  It  is  essentially  the  same  audience,  to  whom  my  workshop, „Exploring Performance Art “ is addressed.

The material and the kind of artistic engagement in the practice of Performance Art is so personally affected that a generalizing access is always fragmentary and therefore must be marked as such. In consequence this means that the practice of Performance Art can not be taught in the traditional sense! You can teach the history, the art-historical context, or the art-theoretical debate. The core of Performance Art, where form becomes art, can not be taught. That may be true of all art forms, but in Performance Art, both the material as well as the medium of the artistic debate are in a great degree identical with the person of the artist.

Zbigniew Warpechowski once put it this way: „With every performance I redefine Performance Art „. Or, as said in his script for his performance in the course of the „Polish Roots“ at the New Territories Festival in Glasgow in 2011: „I am 72 years old and for 43 years I travel the performance art road.(…)I intend to forget my past activities, I am trying to start from “0”.”

What a workshop however can achieve, is to create a situation in which personal experiences can be made, that are useful for the work of Performance Art. So it is not so much to teach and learn in the traditional sense, but making existing knowledge available and developing the participants’ access to their mental images, in their own aesthetic sense. This approach thus gives access to Performance Art, that deals not so much with expressing something or conveying a message, but describes Performance Art as a process of discovery. The performative image can not be planned and then executed as a performance, but it may be found within a defined setting.

II.               About the definition of Performance Art

Just as how Performance Art can not be taught in the above sense, it makes little sense to define Performance Art.

Here I agree with Hans-Thies Lehmann, who on his book “Post-Dramatic Theatre” has the following definition: “Performance is, what those who are showing it, announce as such.“[1]

For the situation of a workshop, however, it is necessary to limit the resulting spectrum of what constitutes Performance Art, since only a common language level makes it possible to concentrate on the work. My workshops are therefore based on the

following understanding of Performance Art:

1.  Performance Art is a genre of Fine Arts. This setting has an influence mainly on the sculptural self-understanding of the artist, and thus on the expected reception attitude of the audience.

2.  Performance Art is processual art. The performative picture develops durig the action, in consequence of the confrontation with the material and the performance situation.

3.  Performance Art is not expressive or narrative – ie in the foreground stand no stories or messages. In this sense, Performance Art refers to itself, Performance Art

is self-referential. The person of the artist is the first and most important material of the artistic discourse.

4.  The quality of the submitted objects or the material of the artistic concentration is

measured by its potential of changing and developing the person. Therefore it is not the question what the artist does with the material but how the material reflects back on the artist.

5.  Hopefully, performance produces an event as a result of a real experience in the situation of the performance.

In this context it is important is that it is made cear to the participants that this definition covers only a small spectrum of Performance Art.

III.             Methodical approaches

In the following I will present some methodical approaches and basic ideas of my work.

1.     Talking about Performance Art

In a verbal description the performative image is only indirectly accessible. This is not only due to the mostly international group of participants or the fundamental difference between signifier and signified. It is mainly because the discourse of the image concept relating purely to Performance Art is only partially pursued.

The idea as to what constitutes the performative quality of an image is fed by the participants’  mostly  very  different,  often  mutually  incompatible  sources  (theater, visual arts, poetry, dance, etc.), so at the beginning of a workshop an intensive disambiguation would be inevitable, that normally would exceed the given time frame.

Thus I always begin my workshops with practical exercises, so that the participants’

subsequent reflections refer to a shared experience!

The workshop is in a way also a language identification process, during which the terms and their classification must be developed.

Parallel to finding this language a reflection on seeing and how in particular Performance Art can be seen takes place! This means becoming aware of and making available the different channels of perception: sight, hearing, touch, smell in the  context  of  related  reactions  such  as  favor,  denial,  indifference,  and  the conscious awareness of relations (between audience and performer, performer and object, etc.).

The feedback on the performance exercises of the participants plays a prominent role. The following considerations I offer to my students.

·    The person who gives the feedback can only speak about his impressions, so he only talks about himself: about his own experience, about what he likes or does not like not, about what he would like to see. Insofar the person whose action is ackowledged merely hears, whether his action evoked what he/she wanted or whether the heard inspires him to alter his settings.

·    It may be interesting to find out the difference between what one believes one should have seen and what one believes one just saw!

·    Which  sensations  were  raised:  pleasant  feelings,  rejection,  indifference  or even the desire to see something specific from the performer!

·    Essential for developing this form of feedback is the question about the next step: What is, according to the understanding of the audience and the performer, the next step, that intensifies the seen and helps develop what is perceived as the core of the performance?

2.     Tools

How can an idea or a philosophical key note be described so that it can be realized and therefore experienced as a task or physical action? For me this question is not only interesting in the context of my activities as a workshop leader but at least as interesting as an artist. The focus of my interest in Performance Art is the personality of the artist. On him and through him the performative image develops. Thus, the issues and techniques regarding the presence of the artist and his handling of the situation of performance are fundamental to my reflections about this art form. The question that concerns me is not so much the what but the how of performance.

„Tools“ help guiding the concentration of the performer on the current situation of the performance. Ultimately, they are mental approaches that make it able to work physically presence.

As an idea, „Tools“ can be used as „action ideas“ during the performance to come

„into the situation.“

3.     Exercises

For each „tool“ there are one or more practical exercises in order to translate the philosophical thoughts of the tools into our own terminology. A physical experience is necessary to transform the initial abstract setting into a personally available idea.

4.     Material

As stated in Chapter II of the definition of Performance Art, the quality of the introduced objects or the material of artistic concentration is measured by „its potential of changing an developing the person. Therefore it is not the question what the artist does with the material but how the material reflects back on the artist.“ On the  question  of  material  the  basic  idea  of  „discovery“  is  consistently  applied. Any material that is introduced as a prop or is already present, is part of the performance  situation!  The  performance  itself  is,  in  the  sculptural  sense,  an exploration of the material. From this perspective, the question of the material relates primarily to the question of the settings! What intervention should I take to define a situation that is beneficial for the success of my performance? Since my approach to Performance Art always deals with the appearance of the person, the material that the person of the performer develops in his actions is especially useful.

5.     Presence

One of the few agreements in Performance Art is, that performances are time-and place-specific, ie the performative image should always refer to the current situation of action, or evolve out of it. In this context, the question of the „presence“ of the performer becomes central. Regarding the workshop it therefore must be asked, how presence can worked on. Presence in this sense means „successfully“ relating oneself to the situation of the performance – as an action in the here and now.

IV.             Tools and Exercises in the Workshop „Exploring Performance Art“

To illustrate the foregoing, in the following chapter I will describe some „tools“ and exercises in the chronological order of the workshop „Exploring Performance Art Art „.

1.     Tools on the concept of „Perception“

According to my personal understanding a performative situation can inter alia be described by the following terms:

a.       Rhythm

Each space has its own rhythm, which can be captured for example with the following key values: fast, slow, regular, irregular, homogeneous, heterogeneous, constant, changing. The objects, people are rhythmically linked or decoupled with each other and the space.

b.       Impulse

Each space has its own impulse which can for example be grasped with the following questions: how and in what way do the objects, persons and the space relate to each other? When do movements start, when do they end? How  do  they  relate  to  the  rhythm  –  in  a  parallel  or  in  an  opposite  way, smoothly or stuttering?

c.       Body Impression

Everything in the space, objects, people and the area as a whole impresses me physically, leaves marks on my body. It is a physical translation of the word „Body Impression „.

2.     „The Foal“ as an exercise on the tools of „Perception“

Since the tools described above are my own personal access to a „situation“ , the participants should find translations and additions of their own through physical exercises.

The exercise „The Foal“ includes several parts, that, building on one another, are executed consecutively. „The Foal“ begins with  the easy  to follow  image  of the participants sitting on a young, wild foal. This foal can not be steered or controlled. The only thing the participants can do is to follow the movements of the foal to avoid being bucked off.

Gradually, several images are added: The rhythm of the foal, its prances and breakaways are transmitted to the legs of the participants. The momentum, direction and change of direction of the foal will intellectually be shifted into the mind of the participants’ pelvis. The impression, the research on where and in what way the other persons, the space and its objects physically are impressed on the skin, is given as a separate task.

Following the image of the foal, the participants give up the control of their motions. Where, in which rhythm and which speed is the foal prancing? In doing so it is particulary important to pay attention to the movements of the other participants. Gradually, the group of participants develops towards a single organism whose individual components are related to one another by movement. When does the foal leap, when comes the next wild impulse? Where are the others? What are they doing, where and how are they impressing themselves in to me? Do I always feel the other participants’ body impressions on me?

Through the high physical demand of this exercise the participants do not get the opportunity to plan their movements. Watching their own transformation, they have to commit themselves to the process of constantly changing movements and impressions. They automatically begin to relate to the other participants and the surrounding space in relationship and to make real experiences!

This exercise is extremely effective in several respects:

·    It deals with the abstract guideline of presence, physically relating onself to current situation.

·    Following the exercise a goal-oriented language identification process can be started, in which the group looks for the appropriate expressions for this shared experience!

·    The idea that the performative image must be found in the action, and can not be planned, becomes obvious! The attempt to recognize the interaction in the common, yet multiple movement of rhythm, impulse and impression, can convey a sense of what the quality of performative images is.

·    The coincidence of exercise and Performance Art becomes evident!

Where the exercise works, a performative image of space and movement emerges that is observable for all.

·    The physical quality of the performative image becomes visible. It can not be created by a message or a story but only by a physical action.

·    Once these exercises have produced a performative image, they can be

used as actions during a performance in order to specifically work on engaging in the situation.

·    Performance Art will be experienced as an art of „impression“ as opposed to „expression“!

3.     Tools on the subject „Person“

As  already  described,  the  person  of  the  artist  is  the  focus  of  my  interest  in Performance Art. I see the person as the socialized body, into which experiences and life circumstances have been impressed. The image that may arise in the Performance Art, is the person in all his realized and unrealized manifestations.

a.       Positive Desintegration

The default image is that personality erects along the spine. A major emphasis is given to the spot between the shoulder blades, like a puppet, that is suspended at this point.

b.       Clothing

This tool assumes that clothes play a particularly important role in relation to the person’s identity. Here image is manifested, thus the image that one has of oneself and wants to communicate to others.

4.     Exercises on the tools „Person“

a.       Escaping oneself

The target here is to physically try to escape from the spot between ones shoulder blades. Of course this is impossible, but taken seriously, this exercise unfolds a huge impact. At first this exercise is done alone and then back to back, side to side, belly to belly and face to face with other participants.

·    It lets the participants experience that one is physically identical with oneself!

·    It lets the participants experience that only in physical contact with

someone else one can get feedback about one’s physical self!

b.       Change of Clothes

Participants should change their clothes and shoes as often and as extremely as possible. From as much to as little as possible, from female to male clothing and vice versa, from boots to sandals to high heels. The only restriction is that no exercise clothing should be worn and the clothes should be as different as possible from what one wears otherwise. Overall, the goal of this exercise, is not a theatrical costume, the participants shall experience how the material „clothes“ reflect back on the person!

5.     Tool and exercise on „Moving and Being moved“

In principle, this requirement has already been discusse in the exercise „The Foal“, but not explicitly. But as this approach is essential for the understanding of Performance Art, I will discuss it separately.

This idea is based on the belief that action of the performer is developed by interaction with the situation of his performance, ie, on the one hand the performer affects  the  situation,  on  the  other  hand,  he  is  moved  by  it.  The  idea  shall  be physically experienced.

The associated „exercise“ may be described as „giving off weight“. It begins as a pair exercise. Two participants stand, sit or lie close to each other, for example, put their arm on the arm of the other. Then they start moving and giving off their weight. First only the weight of the arm is released, then the weight of the upper body, head, etc. This exercise can and should be performed together by all participants. Participants move, as in the horse exercise, as an organism.

This exercise intensifies the previously mentioned understanding of Performance Art gives it a more physical basis. It also helps to gain a new view of the actors involved in the case of a group performance. The present person becomes the material of one’s own performance and will be researched as such in the performance! In a direct, physical contact with the others, the performers experience themselves in relation to the situation.

V.               Final Remark

I hope I was able to illustrate the basic methodological approach of my teachings on Performance Art, the three steps from the guideline to the physical realization to participants’ personally utilisable idea. The so-called exercises here are steps in a process that itself already has a performative character. In other words:   exercises are, in my opinion, only useful if they lead to a performative image and ultimately can even be considered a performance. No more than the image of improvisation fits for Performance Art, so little does the idea of exercise: Performance Art can not be practiced! The action „exercise“ is always the real Performance being developed. I have renounced to mention all the preparatory actions that I use as an introduction to the exercises of the tools. These consist of basic approaches on breath or body coordination as known for example from the theory of biodynamics by Stanislavski.

Jürgen Fritz, March 2011

Translation German to English by Kathrin Weber-Krüger


[1] Hans-Thies Lehmann, Postdramatisches Theater, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1999, S. 245